Was ist das Fach Ethik?

Ethik ist das jüngste Fach im schulischen Fächerkanon.
Es ist aber von der Entstehungsgeschichte her an das älteste gekoppelt: Religion.
Was wird in Ethik gelernt?
Ethik ist eine philosophische Disziplin und fast so alt wie die Philosophie. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie wir leben und was ein gelingendes Leben ausmacht. So wird deutlich, dass die Verständigung mit anderen Menschen, Freundschaften, das Eingehen von Liebesbeziehungen und die Kooperation auf der Grundlage von Toleranz, Akzeptanz und Hochschätzung eine notwendige Grundlage für das ist, was jeder als ein gutes Leben ansieht.
Die Auffassungen über das, was ein gutes Leben ausmacht, stehen in biographischen, gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen. Zum Verständnis eigener und fremder Auffassungen sind Kenntnisse notwendig. Vor diesem Hintergrund sind die drei Perspektiven zu verstehen, die der Rahmenlehrplan für den Ethik-Unterricht vorschreibt:
1. Individuelle Perspektive: Was bedeutet das Unterrichtsthema für das eigene Leben?
2. Gesellschaftliche Perspektive: Was bedeutet das Unterrichtsthema für das gesellschaftliche Zusammenleben?
3. Ideengeschichtliche Perspektive: In welchem religiösen, weltanschaulichen und kulturgeschichtlichen Zusammenhang steht das Unterrichtsthema?
Wenn das Schulfach den genannten Ansprüchen genügen soll, dann hat dieses Wissen dienende Funktion; im Mittelpunkt steht das gemeinsame Bewusstmachen und Nachdenken über das, was jedem einzelnen wichtig ist. Es erfordert also zunächst einmal das Aussprechen und Zuhören, das Nachfragen und Eingehen auf andere Denkweisen
Damit der Unterricht aber nicht bei dem Austausch und dem, was gerade auf den Nägeln brennt, stehen bleibt, gibt der Rahmenlehrplan Themenfelder vor, die eine Ausrichtung und einen Zusammenhang der Unterrichtsthemen ermöglichen:
• Anthropologie (Was ist der Mensch?)
• Moralphilosophie (Was kann ich wissen? Was soll ich tun?)
• Problemfelder d. Moral (...in der heutigen Gesellschaft: Konsum, Handel, Forschung...)
• Religion (Judentum, Christentum, Islam, Buddismus und Hinduismus)
• Ethisches Argumentieren (Argumente anderer prüfen und eigene Standpunkte formulieren)
Ethik will und muss weltanschaulich neutral sein. Das bedeutet: Dem Fach liegt kein bestimmtes religiöses oder weltanschauliches Bekenntnis zugrunde und es fördert auch keine bestimmte Anschauung. Darin gleicht es anderen Schulfächern wie z. B. Geschichte, Deutsch oder Gemeinschaftskunde.
Die weltanschauliche Neutralität bedeutet aber nicht, dass keine weltanschaulichen oder religiösen Überzeugungen vorgetragen oder behandelt werden dürfen. Ganz im Gegenteil: Sowohl die Lehrkräfte als auch die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Überzeugungen zum jeweiligen Thema deutlich machen, denn eine eigene Meinung gehört zum Menschen. Aber diese sind dann immer Ansichten neben gleichberechtigten anderen.
Es stellt sich dann aber die Frage, ob die Standpunkte sich so nicht gegenseitig relativieren und beliebig werden. Nein, denn viel mehr werden Gemeinsamkeiten hervortreten: Die Menschenrechte, wie sie etwa im Grundgesetz formuliert sind, bilden bei aller Verschiedenheit der religiösen und weltanschaulichen Ausrichtungen eine vernünftige und notwendige Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben. Der Ethik-Unterricht ist also weltanschaulich neutral, aber nicht wertneutral. Als wertgebundener Unterricht im beschriebenen Sinn gibt er Orientierung für das Leben der jungen Menschen.
(Text: S. Münch)
Quellen:
Bildung für Berlin, Kurz-Info zum Schulfach Ethik. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, Berlin 2006.