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Besuch der Biogasanlage in Bühl am 25.11.2010

Am Donnerstag, den 25. November 2010, besuchte die Nachhaltigkeits-AG des Carl-Laemmle-Gymnasium Laupheim die Biogasanlage in Bühl. Herr Bertsch leitete die Betriebsbesichtigung.

 

22 Landwirte der Gemeinde Burgrieden sind an dieser Biogasanlage beteiligt, hier wird das Rohbiogas an Erdgas Südwest verkauft, wo es auch weiterverarbeitet wird. Dies ist eine Besonderheit, denn die meisten Biogasanlagen verstromen das Biogas direkt auf ihrem Betrieb. In dieser Anlage wird das Biogas in das Erdgas eingespeist, in Baden-Württemberg gibt es nur drei bis vier Einspeiseanlagen. Die Landwirte werden für das Gewicht und den TS-Gehalt der angelieferten Trockenmasse jeweils ausgezahlt. Insgesamt haben alle 22 Landwirte etwa 11000 ha Anbaufläche, jedoch praktiziert jeder Landwirt selbst seine normale Fruchtfolge. Die Biogasanlage kostete allein im landwirtschaftlichen Bereich um die zwei Millionen Euro.

Die Anlage besitzt drei Fermenter, ein Endlager, zwei Nachgärer und ein Endlager für den Gärrest, das auch als Gaslager dient. Die Fermenter werden drei bis vier Mal am Tag automatisch von zwei Eingabebehältern, die eineinhalb Mal täglich befüllt werden müssen, gefüttert. In diese Behälter wird Eisenoxid zur Schwefelbindung hinzu gegeben oder begrenzt Sauerstoff hinzugeführt. Insgesamt 60 bis 63 Tonnen Festmasse gehen täglich durch die Anlage, davon ca. 80% Mais, 10% Gras und 10% GPS. Die Ganzpflanzensilage (GPS) ist eine Mischung aus Roggen und Weizen. In den Fermentern wird die Festmasse von Rührwerken, die ca. 6% der entstehenden Energie beanspruchen, gerührt.

 

Beim Trockenmasseabbau wird Methangas gewonnen, außerdem entsteht ein Gärrest.

 

100 t Mais, die in die Anlage gesteckt werden, bringen ca. 80 t Gärrest. Nach ca. 60 Tagen haben die Materialien die Anlage durchlaufen und sind im Gärrestbehälter. Auf der Anlage entsteht durch die Substratlager oft Wasser, dieses wird Sickersaft genannt und in die Fermenter mit eingebracht. Bei möglichem Stillstand der Biogasanlage ist eine Fackel angebracht, die das Methangas verbrennen kann und somit unschädlich macht, denn das Methangas zerstört die Ozonschicht, wenn es frei in die Luft geleitet wird.

 

 In den Fermentern müssen die Futtermenge, die Futterqualität und die Temperatur konstant sein. Die Temperatur wird durch Abwärme und zwei luftgepolsterte Mikrogasturbinen mit einer elektrischen Leistung von 30 kW und jeweils 96000 Umdrehungen pro Minute immer auf 45°C gehalten. Eine Mikrogasturbine wird mit Erdgas und eine mit Biogas betrieben, sie sind relativ wartungsfrei und werden für Versuchszwecke gebraucht.

 

 Das entstandene Biogas besteht ca. zu 50% aus Methangas und zu 50% aus Kohlenstoffdioxid. Es ist zunächst 40-45°C warm, wird dann aber auf ca. 5°C herabgekühlt und in unterirdischen, frei zugänglichen Edelstahlleitungen zur Aufbereitungsanlage von Erdgas Südwest transportiert. Die Gasleitungen sind aus Edelstahl, da sich im Rohbiogas noch Schwefel befindet, der sehr aggressiv ist und andere Materialien angreifen würde. Der Schwefel wird erst in der Aufbereitungsanlage aus dem Biogas entfernt.

Das Gas wird mit 50 mbar transportiert und dann auf 5 bar verdichtet. Zuerst wird der Methananteil des Biogases von 50% auf ca. 97% erhöht, danach wird es getrocknet und mit Hilfe dotierter Aktivkohle entschwefelt.

 

Daraufhin kommt es in die Druckwechselabsorptionsanlage, in der Kohlenstoffdioxid entzogen wird. Das entzogene Kohlenstoffdioxid nennt man Schwachgas, es besteht aus 97% Kohlenstoffdioxid und zu 3% aus Methangas. Es wird unter einer Temperatur von 900 °C flammenlos und sehr kompliziert oxidiert. Mit der entstehenden Wärme werden die Fermenter geheizt, somit entsteht ein innerer Kreislauf.

 

Anschließend wird das Gas von einem Hubkolbenverdichter auf 6,5 bar nachverdichtet und dann zur Qualitätskontrolle geleitet, sobald es diese durchlaufen hat, kann das gewonnene Bioerdgas eingespeist werden.

 

Einspeisung von Bioerdgas

Vortrag von Karl-Heinz Brunner von der SZ Munderkingen

 

Erdgas Südwest vermischt das aufbereitete Biogas mit Erdgas und leitet es zu ihren Kunden. Teilbezirke versorgen sie sogar mit reinem Biogas. Im Winter wird mehr Gas als im Sommer benötigt, deshalb wird zu dieser Jahreszeit noch Gas aus Russland beigemischt.

 

Der Partnerschaftsvertrag zwischen Bioenergie Laupheim GmbH & Co.KG und Erdgas Südwest beläuft sich auf 20 Jahre, ebenso wie die Substratlieferverträge mit den Landwirten. Die Biogasanlage ist eine NawaRo-Anlage, was bedeutet, dass die Anlage nur mit nachwachsenden Rohstoffen läuft und keine Gülle eingesetzt wird.

 

Die Anlage arbeitet mit Methanbakterien im thermophylen Bereich unter Luftabschluss. Die Felder, auf denen die 21000 t Mais, die dieses Jahr eingefahren wurden, angebaut wurden, liegen nicht weiter als 15 km entfernt von der Anlage. Ein Kubikmeter Bioerdgas ersetzt ca. einen Liter Heizöl.

(Text: Patrick Ströbele)

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