Prognostische Irrtümer und deren Ursachen

Gesellschaftswissenschaften, Naturwissenschaften

Vortrag „Prognostische Irrtümer und deren Ursachen“Dass die Zukunft oft falsch eingeschätzt wird und das vor allem von Experten, das lernten die Besucher des Vortrags „Prognostische Irrtümer und deren Ursachen“ anhand von erstaunlichen Beispielen.


Am Dienstag, den 14. November um 18.30 Uhr begaben sich die Besucher des Vortrags -unter ihnen auch die Schüler der Nachhaltigkeits-AG in die Schranne. Dort angekommen wurde man bereits erwartet von Dr. Bernd Flessner – dem diesmaligen Referenten – und Frau Zolper von der VHS Laupheim, die auch schon bei anderen Vorträgen, wie zum Beispiel „Übernehmen die Roboter?“, anwesend war.

Dr. Flessner eröffnete mit einem Bild des Szenariotrichters beziehungsweise des Möglichkeitsraums, um ein allgemeines Verständnis für das Thema herzustellen. Dabei lernte man, dass es in diesem Szenariotrichter ein Best Case Szenario, ein Worst Case Szenario und ein Trend Szenario gibt, wobei letzteres das ist, wovon bei Zukunftsbildern ausgegangen wird. Um diesen Möglichkeitsraum herum ist die Unmöglichkeit.

Weiterhin lernte man ebenfalls, dass Zukunftsforscher keine Prognosen geben, sondern nur allgemeinere Zukunftsbilder, die als Orientierungswissen dienen sollen und dass man nach Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Zukunftsszenarien sucht, um ein besseres Zukunftsbild erarbeiten zu können. Es wird auch versucht sogenannte „Portents“, also Spuren, die Zukünfte in der Gegenwart und Vergangenheit hinterlassen, zu identifizieren („Portents“, erfunden von Bernard Mayo 1921-2000).

Nach diesem Einstieg befasste man sich nun mit der Geschichte der Zukunftsforschung.

Vortrag „Prognostische Irrtümer und deren Ursachen“Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Zukunftsdiskurse intensiviert (mehr Zukunftsbilder). Als Auslöser dafür gilt das beschleunigte Wachstum der Städte. Es stellte sich die Frage, wie man für die Zukunft planen kann.

Die erste Zukunftsprognose wurde 1800 in New York gegeben. Sie besagte, dass bis 1920 der Pferdemist einen Meter hoch auf den Straßen liegen würde. Dass dies nicht Eintraf, verhinderte eine sog. „Wildcard“, ein unerwartetes Ereignis/Erfindung, das die Zukunft stark verändert. In diesem Fall das Auto.

Schließlich wird die Utopie (Gegenentwurf zur bestehenden Gesellschaft, ursprünglich von Thomas Morus (1478-1535) in dem Buch „Utopia“ erfunden, jedoch als Raumutopie, da die Geschichte auf einer Insel spielt) in dem Buch „Das Jahr 2440: Ein Traum aller Träume“ (1771) zur „Zeitutopie“, da die „Raumutopie“ nicht mehr als zeitgemäß empfunden wird. Dadurch wird die moderne Zukunft erfunden.

Später erfindet Jules Verne (1828-1905) das Novum. Er liegt mit seinen Prognosen oft richtig. So beschreibt er in seinen Büchern zum Beispiel ein Fax, elektrische Stadtbahnen, Luftverschmutzung, etc….. Durch diese Idee schafft er initialisierende Prognosen, die Forschern einen Anstoß zu neuen Erfindungen geben.

 

Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte der Zukunftsforschung zeigte Herr Flessner nun diverse Beispiele für richtige, sowie falsche Zukunftsprognosen. Auffällig dabei: die involvierten Experten ( wie zum Beispiel Orville Wright , Berlin 1909: „Es wird nie eine Flugmaschine geben, die von Paris nach New York fliegt“ oder Sony 1989: „Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks wir sehen darin keine Zukunft.“) liegen oftmals falsch, dafür aber Journalisten oder Autoren von zB. Science Fiction of richtig.

Dafür gibt es viele Gründe, wie Dr. Flessner erklärte. So wäre da zum Beispiel der Tunnelblick, kognitive Verzerrung (Truthahn-Illusion) und die Betriebsblindheit von involvierten Experten, Wunschdenken, oder Sozialblindheit (technische Veränderungen werden gesehen, deren Folgen für die Gesellschaft übersehen). Allerdings gibt es noch weitaus mehr Störfaktoren.

Zum Abschluss gab uns Doktor Flessner noch Beispiele für Erfindungen die in naher Zukunft eine große Rolle spielen werden, wie zum Beispiel das Fabbing, und Erfindungen, die kürzlich gewacht wurden, wie zum Beispiel das Orca-Uboot oder den VW Hoover Car. Danach beantwortete Herr Flessner Fragen der Zuhörer.

Insgesamt erlebten die Besucher einen Abend mit vielen interessanten Analysen und Ausblicken.