„Ich bin froh, in Deutschland Journalist sein zu können“

Gesellschaftswissenschaften
Christian Höb
Christian Höb (Foto: P. Gleichmann)

Der Journalist Christian Höb besucht am „Tag der Pressefreiheit“ das Carl-Laemmle Gymnasium

Auf die Bedeutsamkeit der Pressefreiheit hinzuweisen war eines der Anliegen, die der Journalist Christian Höb mit seinem Besuch am CLG verband. Er konnte den Schülern teils aus persönlichen Erfahrungen berichten, welch schweren Stand Journalisten und Medienschaffende in anderen europäischen Ländern haben. „Da möchte ich nicht Journalist sein“, resümierte der aus Dietenheim stammende und inzwischen in Berlin wohnhafte Höb zum „Internationalen Tag der Pressefreiheit“ am 3. Mai. Dieser bildete den Rahmen seines über die Deutsche Journalistenschule vermittelten Besuchs am CLG.

In zwei hochinteressanten Workshops zum Thema Journalismus schilderte Christian Höb seinen professionellen Alltag und erklärte den Neunt- und Elftklässlern, wie Journalismus gemacht wird. Er selbst arbeitet momentan als freier Journalist für Spiegel Online, Zeit Online und die BILD (jeweils Sportressort). Davor war er u.a. zwei Jahre beim Bayerischen Rundfunk tätig. Deshalb konnte Christian Höb mit vielen interessanten persönlichen Erlebnissen aus seinem Berufsleben aufwarten. Er verwies darauf, unter welchem Druck Journalisten und Medien heute stehen und wie schwierig es in der aktuellen Berichterstattung sei, unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen. Dazu kommen grundsätzliche Fragen wie: Nenne ich die Herkunft eines Täters oder nicht? Veröffentliche ich dieses Foto oder nicht? Besonders wichtig war dem Journalisten hierbei, die Schüler mit Kriterien für Qualitätsjournalismus vertraut zu machen: Woran erkenne ich seriösen Journalismus, was besagt der Pressekodex, was versteht man unter dem Vier-Augen-Prinzip? Höb wollte damit in Zeiten der „Lügenpresse“-Vorwürfe auch Vertrauen schaffen: Seriöser Journalismus arbeitet gründlich und gewissenhaft.

Christian Höb
Christian Höb mit Schülern in E1.1

Ihre Medienkompetenz durften die Schüler dann auch gleich in zwei Arbeitsphasen unter Beweis stellen. Zum einen erhielten sie die Aufgabe, aus Berichtschnipseln selbst eine kurze Meldung zur Freilassung des Journalisten Deniz Yücel zu erstellen. Zum anderen schlüpften die Schüler in die Rolle der Tagesschau- bzw. BILD-Redaktion. Ihre Aufgabe bestand darin, aus einer Fülle von Tagesereignissen zu entscheiden, welches jeweils die Hauptschlagzeilen des Tages werden sollen. Spannend war zu reflektieren, welche Gesichtspunkte in welchem Medium, warum und wie in den Vordergrund geraten. Besonders die BILD-Schülerredaktion hatte großen Spaß, die Nachrichten zu Sportlern, Stars und Sternchen zu gewichten. Christian Höb nutzte das, auch die Schattenseiten der Branche anzusprechen. Neben dem genannten Zeitdruck zählen dazu auch die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, übertriebene Zuspitzungen, Sparzwang oder die Vermischung von PR und Journalismus. Auch die allgegenwärtigen „Fake-News“ spielen hier eine Rolle. Woran erkenne ich diese? Welche Interessen stecken dahinter? Auch auf diese Fragen ging der Journalist aus Dietenheim intensiv ein. Mit wichtigen Hinweisen zu einem reflektierten Umgang mit Nachrichten – vor allem Medium, Quelle und Absender checken – beendete er seinen Workshop. Die spannenden und persönlichen Einblicke in den journalistischen Alltag dankten ihm die Schüler mit langem Applaus.